Bottomtime

Peter Noever – Unter dem Nullpunkt der Kunst

Ist das ein Blick auf den Grund, aus dem Manfred Wakolbinger schöpft? Oder vielleicht auch eine Erinnerung daran?

Tatsächlich finden sich in seinem bisherigen Werk zahllose Motive, die vor dem Hintergrund dieser Unterwasserfotografien als Umsetzung subaquatischer Eindrücke und Erfahrungen neu hinterfragt und interpretiert werden können. Nicht nur das in unterschiedlichsten Variationen immer wieder auftauchende Thema des Behältnisses, der Traum vom unbegrenzten Volumen, von der Durchdringung von Form und Inhalt.

Findet sich dieses Licht, das reine Präsenz zu sein scheint, ohne ortbare Quelle, nicht auch schon als Reflex in den endlosen Wellungen seiner polierten Skulpturen aus Kupfer? Der Verlust der Räumlichkeit, der Tiefe in der Tiefe, wenn der Blick die Dimensionen nicht mehr ermessen kann, tritt er nicht auch ein, wenn Wakolbinger seine Plastiken durch die transparente Umhüllung mit Glas aus der haptischen Räumlichkeit in die unendlich tiefe Flächigkeit von Bildern rückt?

Ist das ein Blick ins Innenleben der von ihm immer wieder angefertigten Vitrinen, so auch bei seiner künstlerischen Intervention für die Schausammlung Architektur des 20. /21. Jahrhunderts des MAK? Manfred Wakolbingers Vordringen unter die (Meeres-) Oberfläche ist eine reale, nicht konstruierte Metapher für den künstlerischen Prozess.

Es ist der Blick des Künstlers, der eintaucht ins Unsichtbare; der die transparente und doch zugleich undurchsichtige, grundlose, bodenlose Oberfläche des alltäglichen Lebensraums, der Welt durchstößt, um das Ungesehene ans Licht zu bringen; das Polymorphe, in Farben Gehüllte, das nicht Reflexion bestimmter Ausschnitte des sichtbaren Lichts ist. Und hier wird für ihn, den Bildhauer, die Tätigkeit des Blicks zu einer körperlichen Anstrengung und Erfahrung. Es sind nicht die Vorstellung, die Phantasie oder das Denken, die hier die Dinge aus dem Dunkel heben: die Bottomtime begrenzt nicht durch den Raum, sondern höchstens durch die Dauer des Atems, ist der körperliche Aufenthalt im rein Optischen – oder zumindest dasjenige, was dem am nächsten kommt.

Manfred Wakolbinger nimmt uns mit auf eine Expedition unter den Nullpunkt der Kunst. Es ist eine Einladung, von dort aus zu verfolgen, wie sich aus der reinen Bewegung Perspektiven, Gestalten, Körper entwickeln.

Peter Noever – Below Point Zero of Art

Is it a bottom view that Manfred Wakolbinger draws his creative power from? Or perhaps just a bottom memory?

Indeed, his previous work already comprises a number of motifs that might be read and reappraised as reflecting subaquatic impressions, notably so against the background of his most recent underwater photography. These motifs include not only the subject of containment that keeps reappearing in endless variations, but also the dream of an infinite volume, of the mutual permeation of form and content.

Isn’t this light, apparently a mere presence without any localizable source, also present in the endless waves and ripples of his polished copper sculptures? This loss in spatial feeling, unfathomable depth in which the human gaze can no longer gauge dimensions, don’t they also make themselves felt when Wakolbinger encases his sculptures under glass, translocating them from tangible three-dimensionality to the endless depth of the flat pictorial surface?

Isn’t this an inside view into, and from, the translucent showcases that he has created so many times, as in the case of his artistic intervention in the Permanent MAK Exhibition of Architecture of the 20th and 21st Centuries? Manfred Wakolbinger’s plunging below the surface (of the sea) is a real, not a contrived, metaphor of the art-making process.

It is the gaze of an artist who dives down into the invisible, transcending the transparent and yet opaque, groundless and ungrounded bottom of our everyday living sphere, of the overground world, so as to bring to light the unseen, the polymorphic, tinged in colors that are not a mere reflection of a spectral segment of visible light. And for him, the sculptor, the gaze turns into a physical effort, a bodily experience here. It is not imagination, fantasy, or thought that lifts things from the dark here: it is the bottom time, a measure that is not definable in space, but only in terms of length of breath, a physical stay inside pure visuality – or in what comes closest to it.

Manfred Wakolbinger takes us on a diving expedition below point zero of art. It is an invitation to watch, from there, perspectives, shapes, and bodies develop from pure motion.

Elisabeth Schlebrügge – Meeresspiegel

Ob man je vom Meer genug haben kann; gesättigt, Vorrat eines Sommers, der für das ganze Jahr reichen muss. Tage auf den Steinen, salzverkrustet, nachts Bilder bei geschlossenen Augen, das Meer, das in die schmalen Ritzen und Rinnen drängt; Meerestomaten, kompakte Kugelform, brandrot, oder ausgeklapptes Flammenbouquet, Seepocken, versteckte Krebse, Purpurschnecken, über den bewachsenen Felsen mäandernd, „Krebs auf dem Felsen“, hast du gerufen, im Schlaf. Körpererinnerung, wie man bei heftigem Seegang wieder an Land gelangt, die notwendigen Gewichtsverlagerungen unter Wasser, die Augen aufgerissen, die dunklen Flecken, unscharfe Umrisse, die Seeigel vermeidend, wo die Hände und die Füße aufgesetzt, um sicher bei Brandung auf dem Felsen zu landen.

Was das Meer schreibt: eine unablässige Grenzziehung, Markierung seines Herrschaftsbereichs in der feinen Zackenlinie, niemals überlappend, heller und dunkler; Muschelsplitter, Tangbüschel, Tintenfischschulpen, Erinnerungsspur der anschlagenden Brandung.

Das Meer mit dem ungewissen Geschlecht, the sea, la mer, il mare, el mar, und nichts sonst, was zugleich das Immergleiche ist, und das, was sich niemals wiederholt; nichts, was gleichzeitig im selben Ausmaß von Universalität und subjektiver Erfahrung geprägt ist. Das Meer, der glatte Spiegel, die rauhe See, meditative Projektionsfläche oder physische Herausforderung, und das sich Hineinbegeben, das Durchschlagen der Oberfläche, das Eintauchen begleitet von Bildern sowohl des Zerschellens und Untergehens als auch des Umfangen- und Geborgenseins.

Und welch verschiedene Wirklichkeiten, als würde es sich, je nach dem Aspekt des Gebrauchs, um völlig anderes handeln, ein anderes Meer, das „Meer von der Küste aus gesehen“ (Michelet), und, auf hoher See und in Annäherung daran, das Land vom Meer aus betrachtet, nie deckungsgleich ineinanderpassend; das Oberflächengekräusel und Windgekritzel oder der Abstieg in die Tiefe. Und wie sich zurechtfinden, zwischen Empirie und Vorstellung, Erfahrung, Imagination, Abstraktion, Vexierbild Seekarte.

Wie das Meer geschrieben wird: Repräsentationen, Sprachnetze, Zeichensysteme darüber gezogen; Regeln, die den Gebrauch festlegen, das Leben sichern, Seerecht, Windstärken, Tidenhub, Hafenbestimmungen, Seefahrtsjargon, Flaggenalphabet (Flagge A: Halte Abstand! Taucher unten! I have a diver down: keep well clear at slow speed!). Wie es in Wörter zu fassen ist, das Meer, seine Verschriftlichung, die Material- und Proviantlisten des „scrivanello“ auf den venezianischen Galeeren, Logbücher und Kompendien, Sea-man’s Dictionairies, nautische Glossare und die barocke Sea Grammar des Admirals John Smith, der vielleicht als erster festlegt, dass gelte: „no less honor to write, than fight“.

Meereswörter und Wörter für das Meer: „Die Griechen hatten viele Namen für das Meer“, schreibt Predrag Matvejević, „hals, das Salzkorn, die Salzflut: das Meer als Materie; pellagos, der Meerespiegel: das Meer als Szenerie; pontos, die hohe See: das Meer als Raum oder Weg; thalassa ist der allgemeine Begriff, seine Herkunft ist unbekannt, vielleicht ist sie kretisch: das Meer als Erfahrung oder Ereignis; kolpos ist der Busen, der Schoß, und benennt ganz intim jenen Teil des Meeres, den das Ufer umarmt: eine Bucht oder einen Meerbusen. Laitma ist die Meerestiefe, die liegt besonders Dichtern und Selbstmördern am Herzen.“ [01]

Der Taucher hat sich entschieden, er stößt sich ab von oben nach unten, durchschlägt die Membran der Oberfläche mit seinem Gewicht; im Blick zurück, der Wasserhimmel über ihm wieder geschlossen, selbst bei hohem Wellengang, gewölbter Baldachin, unzerrissen. Umschlossen vom Element der Sehnsucht und der Angst; tautologisch, quasi, die amniotische Analogie „Mutterwasser“, „les eaux de la mère“, wie Buffon es genannt hat, und nur für den kühnen Analytiker Sándor Ferenczi [02] dreht es sich noch einmal um, in seiner phylogenetischen Spekulation über die „thalassale Regression“, entwicklungsgeschichtlich sozusagen, wie in einer russischen Puppe ineinandergeschachtelt, das Meer nicht Ersatz für die Mutter, sondern die Mutter Ersatz für das Meer. Anders als der Schwimmer, der rhythmisch zurückkehrt an die Oberwelt, ist der Taucher einer strengen Ökonomie unterworfen, seine Zeit ist begrenzt („bottomtime“). Auftauchend einen violetten Seeigel mit weißen Stachelspitzen überreicht, statt eines Blumenstraußes.

Der Gebrauch, den man vom Meer macht, der die verschiedenen Meere konstituiert; Meeresgebrauch, auch für Müßiggänger, an trüben Wintertagen die Hafenmauer, den Strand entlang, das Meer in der Luft, Salz und Jod eingeatmet, leere graue Fläche, um einen Text einzutragen, oder das Glück der Muschelsammlerin, zufällige Fundstücke, vom Meer ausgespuckt, Licht, das sich bricht in den flachen Spiegeln in den Sandgruben und -rinnen, „blinkend“, die das ablaufende Wasser bei Ebbe zurücklässt, noch eine Jakobsmuschel, noch ein Tritonshorn. Oder solche Muscheln, die im Gefolge der Entdeckungsreisen des 18. Jahrhunderts fernwehsüchtige Namen bekommen haben, „carte géographique“, Landkarte, „écriture chinoise“, chinesische Schrift, „soleil levant“, aufgehende Sonne, wie sie im Bildteil der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert verzeichnet sind.

Fundamentale Differenz, am Meer zu leben oder nicht, ein Unterscheidungsmerkmal, in der Antike in der Sprache niedergeschlagen, Differenz zwischen Küstenbewohnern, Festlandbewohnern und Inselbewohnern und die Kategorie der athalattotoi, derer, die vom Meer keine Ahnung haben, nie mit ihm in Berührung gekommen sind. [03] Die Wahrnehmung und die Kategorisierung der Welt sind davon bestimmt, die linguistische „Feineinstellung“ zur differenzierten Benennung von Wasser und Winden, nirgends sonst wird von „Wolkentintenfischen“ gesprochen, „seppie di vento“, Meereserfahrung, in den Himmel projiziert. (Häufig wechselseitige Spiegelung von Tiefsee und Himmelsraum, das Sternbild des Poseidon, Warmwasserströme als „Milchstraßen des Meeres“.)

Die Herren im maritimen Altersheim in Camogli, der Kasten statt mit Klinken mit Enden von Tauen geschlossen, vorschriftsmäßige Knoten und aus dem Radio den ganzen Tag das bolletino nautico; wo aber wohnt die Signora Altomare, erste Absolventin als Maschinistin am Istituto Nautico in Neapel.

Lange Zeit das Meer entbehren müssen, angewiesen auf Nachrichten aus der Ferne; noch in den sechziger Jahren in kleinen Städten, in Lastwägen auf Marktplätzen zur Schau gestellt: die riesigen Wale, brüchig die Einbalsamierung, die langen Barten gelblich verklebt. Bevor es noch das Meer gesehen hat, spielt das Kind jahrelang unter dem Küchentisch „Abenteuer unter Wasser“.

Aber nicht nur die Anschauung der Natur, sondern auch die Bilder, die das, was man sehen wird, präformieren: Berichte, Erzählungen, Bilder und Lektüren, Romane und Lexika; fremde Wörter aus den Büchern, „Wattenmeer“, „Tidenhub“, „Sargassosee“, „Passatwinde“, die roten Haifischgitter am Ende der Bucht.

Meere der Nähe, die vertraut sind, bevor man sie noch erreicht hat, die Insel des Odysseus und Scylla und Charybdis und der Strand, an dem Aeneas gelandet ist, und andere Meere, der graue Indische Ozean zum Beispiel, die Verlockungen der Ferne, Abenteuer und Piraten, Entdeckungen und Eroberungen der Welt, Schatzinseln, Seekämpfe (Salz an Deck gestreut, nach dem nautischen Glossar, um beim Kampf nicht in einer Blutlache auszurutschen), Seebegräbnisse, die Körper in Segeltuch genäht und eine Kanonenkugel, ein Gewicht zu Häupten und zu Füßen, „to make them sink“ nach John Smith, Schlingertaue bei Sturm an Deck gespannt, um nicht über Bord gespült zu werden, navigare necesse, Schiffe versenken, Schiffe verbrennen, Schiffszwieback, Pökelfleisch, Skorbut, Meuterei, und in der Tiefe Wracks gesunkener Fregatten, Schatzverheißungen, Unwägbarkeiten, Magnetberge, Riesenkraken, untergegangene Inseln. Perlenfischer, mit schweren Steinen von der Bordwand gekippt, verrottende stinkende Muschelhaufen.

Lektüren und Abenteuer, in den Lüften und unter dem Meer, in die Zukunft und in die Vergangenheit, Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde und Zwanzigtausend Meilen unter Meer, dem sich nicht nur das Problem des Vordringens in unbekannte Tiefen stellt (Vegetation und Fauna, abgeschrieben aus den Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Mode gekommenen Aquarien [04]), sondern der auch die Erfindung der Unterwasserfotografie vorwegnimmt:

„,Welch ein Abenteuer!‘ rief ich. ‚Wir fahren durch Tiefen, in die noch kein Mensch gelangt ist! Kapitän, sehen Sie diese großartigen Felsen, diese unbewohnten Grotten, diese letzten Schlupfwinkel der Erde, wo es kein Leben mehr gibt? Welch unerhörter Anblick – ach, warum dürfen wir nur die Erinnerung daran behalten?‘

‚Würde es Ihnen Freude machen‘, fragte mich Kapitän Nemo, ‚mehr als nur eine Erinnerung daran zu besitzen?‘

‚Was wollen Sie damit sagen?‘

‚Ich will sagen, dass nichts leichter ist, als eine photographische Aufnahme dieser Unterwasserregion zu machen!‘

Es blieb mir nicht einmal die Zeit, dem Erstaunen Ausdruck zu geben, das ich über diesen neuesten Vorschlag empfand, als, auf einen Wink Kapitän Nemos, bereits ein Objektiv in den Salon getragen wurde. Vor unseren Augen breitete sich, elektrisch beleuchtet, die Wassermasse in vollendeter Klarheit aus. Kein Schatten, keine Verminderung unseres künstlichen Lichts. Selbst das Sonnenlicht hätte für unser Vorhaben nicht günstiger sein können. Der Nautilus, unter dem Druck seiner Schraube und beherrscht von der Neigung seiner Seitenflächen, stand unbeweglich. Das Instrument wurde auf den Meeresboden gerichtet, und in wenigen Sekunden hatten wir ein Negativ von äußerster Schärfe.“ [05]

Ein anderer Zeitgenosse Jules Vernes, in einem Antiquariat in Colombo gefunden, herausgerissene Zeichnungen aus seinem Buch über die Unterwasserwelt von Ceylon, wie es damals noch hieß, der österreichische Diplomat und Forscher Eugen von Ransonnet-Villez, begnügt sich als Expeditionsteilnehmer nicht mit Artefakten und toten Tieren als Belegen für die untermeerische Wunderwelt, sondern lässt sich eine kleine Taucherglocke bauen, unter der er, sitzend mit baumelnden Füßen, mit Stift und Pinsel hantiert und die Wirklichkeit um ihn herum „abzeichnet“:

„Sogleich öffnete ich die eisernen Fensterdeckel, welche zum Schutze des Glases angebracht waren, und blickte nicht ohne eine gewisse Erregung in das weite Wasserreich, das nun zum ersten Male, meinen ungehinderten Blicken erschlossen vor mir lag.“ [06]

Der Bildhauer reagiert aufmerksam auf die schwebenden Verhältnisse, das Verhältnis vom Körper im Raum, die freie Beweglichkeit um alle Achsen, die Freisetzung des Blickfelds; aufmerksam auch gegenüber dem Verhalten der anderen Körper und Nicht-Körper, wie die aufsteigenden Luftblasen, zusehen, wie sie sich ausdehnen, verformen und in einem nicht vorhersehbaren Moment ab-, auseinandergerissen werden, aleatorische Formenexplosion, überraschende Beute der Kamera („was bestimmt die Möglichkeiten der Bildhauerei jenseits der festen Materie“, fragt er sich). Dann gilt sein Augenmerk der Umgebung und was ihr für Bilder abzujagen sind, welche Ausschnitte, jäh beleuchtet, eine Konstellation an Farben und Formen vermuten lassen, die es manchmal, mit den Abweichungen des autonomen Kamerablicks, gelingt dingfest zu machen – vor Täuschungen nicht gefeit, so wie in bestimmten Tiefen gelegentlich ein „fiktives Rot“ zu sehen ist, das niemals als solches auf der Filmoberfläche erscheint.

„Taucht man bis zu einiger Tiefe in das Meer hinab, so verliert sich bald schon das Licht. Man dringt in eine Welt der Dämmerung vor, in der ein trübes Rot die einzige noch verbleibende Farbe darstellt; dann aber verschwindet auch dies, und es bricht finstere Nacht herein“,

schreibt Jules Michelet07 in schöner Behauptung des Unrichtigen. Michelet, der immer schon das Beobachtete und das Vorgestellte mit unterschiedsloser Präzision beschrieben hat:

„Man behauptet, dass das fehlende Sonnenlicht das Leben ausschließe, und doch ist in den tiefsten Tiefen der Meeresboden mit Seesternen überdeckt. Die Fluten sind bevölkert von Aufgußtierchen und mikroskopisch kleinen Würmern. Unzählige Mollusken schleppen dort ihre Schalen. Bronzefarbene Krabben, strahlenförmige Aktinien, schneeige Porzellanschnecken, goldene Rundmäuler, gewellte Faltenschnecken, alles lebt und regt sich. Es wimmelt dort von Leuchttierchen, die zeitweise von der Wasseroberfläche angezogen werden und in Form von langen Schweifen, als schlängelndes Feuer und funkelnde Girlanden auftauchen.“ [08]

Die Tiefe und die Vorstellung von ihr, die den Betrachter gefangen nehmen, dabei ist es nicht immer die größte Tiefe, die den besten Blick verspricht; „close to the surface“, nahe der Oberfläche, nicht nur in paradiesischen Korallengärten, sondern auch in Hafeneinfahrten, auf unterseeischen Abfallhalden hat Manfred Wakolbinger seine spektakulärsten Bilder erbeutet; spektakulär nicht im Sinne einer Gigantomanie, sondern in der Feineinstellung auf einen Mikrokosmos, der bizarr erscheint und fremd, betörend oder erschreckend.

Die Faszination der Bilder nicht nur daher, dass es sich um Botschaften aus dem sonst Nicht-Sichtbaren handelt, verführerisch, dieses Teilhaben am Geheimnis, über das es sonst nur Vermutungen gibt, sondern auch aus der Freisetzung des Blicks von der Begrifflichkeit, in der Berührung mit einer Welt, in der das Ungeschiedene, Ungewisse dominiert, die Uneindeutigkeit (Stein oder Lebewesen, Pflanze oder Tier) und Wandelbarkeit, Polymorphes statt Festumrissenes. Strukturen, Ensembles, eher Tableaus als Porträts rasch identifizierbarer Einzelwesen (im Nachhinein erst herausfinden, dass es sich etwa um eine „Feuerwalze“ handelt, für das Foto selbst unerheblich) – um sie festzumachen, zum Großteil auf Analogien zurückgeworfen, Annäherung nur über Vergleiche: Juwelen, Edelsteine, Insekten, Vögel, exotische Pflanzen, „dieser Zuckerseetang schaut aus wie Jade!“ Eine Welt der Metamorphosen, deren Genese in der Antike nur durch die Konjektur der Götter denkbar war („die lieblichen nereiden! die gefiederdten graien! die süßsauren hesperiden!“), so wie es Ovid für die Entstehung der Korallen beschreibt, wo mutwillige Nymphen ihr Spiel treiben mit der versteinernden Kraft des auf Seetang gelagerten Medusenhaupts: „Immer noch bleibt den Korallen das nämliche Wesen: sie werden hart, wenn die Luft sie berührt, und was in dem Meere Gezweig war, wird, enthoben dem Meer, zu starrem Gesteine gestaltet.“ [09] Sich bewegen im Reich der Metamorphosen, der fließenden Übergänge und Verwandlungen heißt auch die Festlegungen unterlaufen, so als würde er einen Schritt zurückmachen, noch einmal, um so weit als möglich zu schauen, unvoreingenommen, als wäre Linné außer Kraft gesetzt und er würde die zärtlich-einfühlsame Betrachtungsweise Michelets wieder aufgreifen, Michelet, der sich gewissermaßen hinunterbeugt, um diesen fremden Wesen in Augenhöhe zu begegnen, ihnen „Empfindungsvermögen“ zuschreibt, wie er es für die Meduse als „Tochter des Meeres“ imaginiert:

„In ihrem Meeresmilieu lebend, dessen Berührung liebkosend ist, umgibt sie sich mit einem Panzer widerstandsfähiger Epidermis wie wir Erdentiere. Ihr widerfährt alles nackt und unmittelbar.“ [10]

Im Umkehrschluss lässt Jules Verne seinen Professor Aronnax träumen:

„Ich träumte – man kann sich seine Träume nicht aussuchen -, ich träumte also, mein Dasein werde zurückgeführt auf das vegetative Leben einer Molluske. Es kam mir vor, als bildete diese Grotte die Doppelschale meines Gehäuses…“ [11] Die wahre Spannung, ob es sich um Belebtes oder Unbelebtes handelt, Erschrecken, wenn der vermeintliche Stein plötzlich als Sepia unter dem Körper durchsegelt, selbst die Fossile, wie Bachelard sagt, lediglich „in ihrer Form eingeschlafen“ [12] und die Faszination durch die Vielfalt, Ungewissheit, welchem Reich zugehörig oder mehreren gleichzeitig, „gibt es eigentlich seejungfrauen im meer?“, Fragwürdigkeit der Taxonomien; frei flottierende Pflanzen, festgewachsene Tiere. Chapeaux chinois, den Stein mimetisierend, ein Herzschlag, sie zu berühren, spüren, wie das Lebewesen im Inneren Zeichen von seiner Existenz gibt, die Ränder verschließend, mit Heftigkeit sich festsaugend.

„Tierpflanzen“ beschreibt Jules Verne:

„Unter den Tierpflanzen waren einige schöne Seeanemonen, Phyctalis tecta, in diesem Teil des Ozeans beheimatet, ein kleiner zylindrischer Stamm, verziert mit vertikalen Linien und roten Tupfen, gekrönt von einem prächtigen Nest von Tentakeln. Was die Mollusken anging, waren es Arten, die ich schon beobachtet hatte, Turmschnecken, Dreiecksmuscheln mit regelmäßig gekreuztem Muster, dessen rote Tupfen sich lebhaft abhoben vom fleischfarbenen Grund, bizarre Flügelschnecken, die versteinerten Skorpionen glichen, durchsichtige Seeschmetterlinge, Papierboote, ausgezeichnet schmeckende Tintenfische und gewisse Kalamare, die die Naturforscher des Altertums unter die fliegenden Fische rechneten und die hauptsächlich als Köder für den Dorschfang dienen.“ [13]

In den Bildern von Manfred Wakolbinger der Blick auf eine Welt, die nichts Anthropomorphes mehr hat, Öffnungen, Membrane, Geflechte, reusenartig, Fühler, sich aus- und einklappende Arme, Augen, Einzellerwesen, in ihrer Fremdheit, Befremdlichkeit und Eigentümlichkeit belassen, nicht der „Menschenvergleich“ darüber gestülpt; die landläufige Ordnung und Zuordnung in Frage gestellt, Raum schaffen für ein mögliches Anderes; „er denkt in Tieren wie andere in Begriffen“, hat Elias Canetti gesagt, aber auch diesen Blickwechsel im Tiergegenüber fokussiert: „Das Unerlangbare an Tieren: wie sie einen sehen“ [14], und nur Mutmaßungen, was ihre Beziehungen untereinander betrifft, Konvivenzen, unbekannter Pakt: anthropozentrische Sehweisen in Frage gestellt und eine Ent-Hierarchisierung ins Bild gesetzt. Spätabends auf dem Heimweg am Meer entlang: bei jedem Schritt Lichtbüschel abgeschüttelt, das Leuchten von den Fingerspitzen gesprungen.

Einen ironischen Blick in die Zukunft hat Marcel Broodthaers in den siebziger Jahren getan, der in seinem Künstlerbuch „Magie. Art et Poétique“ (1973) unter „Künstler sein“ quasi eine Perspektive der Zunft entwirft:

„sculpter. se noyer comme le fils d’un dieu! Quelle gloire… Mieux vaut simuler. Accessoires: Costume de plonger. Poissons. Fleurs.“ – „bildhauern. wie der Sohn eines Gottes ertrinken! Welch Ruhm… Es ist besser simulieren. Zubehör: Tauchanzug. Fische. Blumen.“

Ein Kind, knapp am Wasser den Strand entlanglaufend und mit einem Bambusstab, hinter sich hergezogen, eine Linie in den feuchten Sand zeichnend, die manchmal vom Meer überspült, von den Wellen gelöscht wird: „Das macht nichts, das mache ich absichtlich! Das ist das Schöne!“

01 Predrag Matvejevi, Der Mediterran. Raum und Zeit, Zürich 1993, p. 202

02 Sándor Ferenczi, „Versuch einer Genitaltheorie“ [1924], in: Schriften zur Psychoanalyse, Auswahl in 2 Bänden, hg. von Michael Balint, Frankfurt/M. 1972, Bd. II, p. 317-400

03 Matvejević, a.a.O., p. 210

04 Ursula Harter, „Am Grund des Meeres lebt die telegraphische Koralle. Der Traum ist das Aquarium der Nacht: wie im neunzehnten Jahrhundert Unterwasserparadiese zum Sinnbild unseres Innenlebens wurden“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. 9. 2003

05 Jules Verne, Zwanzigtausend Meilen unter Meer, Zürich 1976, II, p. 216f. (französische Originalausgabe Vingt mille lieues sous les mers, Paris 1870)

06 Baron Eugen von Ransonnet-Villez, Ceylon. Skizzen seiner Bewohner, seines Thier- und Pflanzenlebens und Untersuchungen des Meeresgrundes nahe der Küste, Braunschweig 1868

Vgl. auch Die Entdeckung der Welt. Die Welt der Entdeckungen. Österreichische Forscher, Sammler, Abenteurer, hg. von Wilfried Seipel, Wien 2001.

Dort auch ein Aufsatz von Helmut Sattmann und Verena Stagl über „Die österreich-ungarischen Tiefsee-Expeditionen mit dem Schiff Pola“, p. 155f.

07 Jules Michelet, Das Meer, Frankfurt/New York 1987 (französische Erstausgabe La mer, 1861)

08 Ebd., p. 88

09 Ovid, Metamorphosen IV, v. 750ff.

10 Michelet, a.a.O., p. 130

11 Verne, a.a.O., II, p. 200

12 Gaston Bachelard, Poetik des Raumes, München 1975, p. 142 (französische Originalausgabe La Poétique de l’espace, Paris 1957)

13 Verne, a.a.O., II, p. 329

14 Elias Canetti, Die Fliegenpein. Aufzeichnungen, München 1992, p. 14, p. 121

Elisabeth Schlebrügge – Close to the Surface

Is it ever possible to have enough of the sea? Saturated, the reservoir of a summer which has to last a whole year. Days spent on stones, encrusted with salt, night-time imagery seen with closed eyes, the sea, which pushes its way into narrow cracks and channels. Sea tomatoes, compact ball form, firey red or a bouquet of flames unfolding, balunids, hidden crabs, rock shells wandering over the grown-over rocks, „crab on a rock,“ you cried in your sleep. The body’s memory, how one reaches land again in rough sea, the necessary shifts in weight under water, eyes wide open, the dark spots, blurred contours, avoiding sea urchins, placing hands and feet so as to land safely on a rock.

What the sea writes: an incessant demarcation, marking an area of domination in the fine jagged line, never overlapping, lighter and darker. Fragments of shells, tufts of seaweed, cuttlefish bones, a trace of memory of the waves breaking.

The sea with the indeterminate gender, das Meer, la mer, il mare, el mar and otherwise nothing which is also always the same and never repeats itself. Nothing what is concurrently informed to the same extent by universality and subjective experience. The sea, the smooth mirror, the rough sea, a meditative surface for projection or physical challenge, and the possibility to enter, to push through the surface, submersion accompanied by the imagery of something being wrecked and sinking as well as a sense of being embraced, safe and secure.

And what different realities, as if depending on usage we were dealing with something completely different, a different sea, the „sea seen from the coast“ (Michelet) and, at high sea, moving closer to it, land seen from the sea, never converging one-to-one. The ruffles on the surface and the scrawl of the wind or a descent to the depths. Finding one’s bearings between empiricism and idea, experience, imagination, abstraction, a picture puzzle as a map of the sea.

How the sea is reflected in writing: representations, networks of language, systems of signs are drawn over it. Rules that define the usage, save life, the law of the sea, wind forces, tidal amplitude, port regulations, nautical jargon, flag alphabet (flag A: I have a diver down: keep well clear at slow speed!) Capturing it in words, the sea, its being put down in language, the lists of material and provisions of the „scrivanello“ on the Venetian galleys, logbooks and compendiums, sea-man’s dictionaries, nautical glossaries and the Baroque sea grammar composed by Admiral and „sometimes Governor“ John Smith who was perhaps the first to maintain „no less honor to write, than fight.“

Marine words and words designating the sea: „The Greeks had many words for the sea,“ wrote Predrag Matvejević, „hals, the grain of salt, the deluge of salt: the sea as matter; pellagos, the sea level: the sea as scene; pontos, high sea: the sea as space or path; thalassa is the generic term, its origin unknown, perhaps it is Cretan: the sea as experience or event; kolpos is the bosom, the womb and designates intimately the part of the sea that embraces the shore: a bay or a gulf. Laitma designates the depths of the sea, it is especially cherished by poets and suicides.“ [01]

The diver has made up his mind, he pushes himself down from above, his weight cutting through the membrane of the surface. Behind him the view, the watersky closes over him again, even in heavy sea, curved baldachin, untorn. Engulfed by an element of desire and fear. Tautological, as it were, the amniotic analogy „maternal water“, „les eaux de la mère“, as Buffon referred to it. And for the perceptive analyst Sándor Ferenczi [02] it turns itself around again, in its phylogenetic speculation on „thalassal regression“, evolutionary as it were, like a Russian doll, one inserted in another one. The sea not as an ersatz for the mother, but rather the mother an ersatz for the sea. As opposed to the swimmer who rhythmically returns to the upper world, the diver is subject to a strict economy, his time is limited („bottomtime“). A violet sea urchin with white spinetips, presented in lieu of a bunch of flowers.

The use one makes of the sea, which constitutes the different seas. Use of the sea, also for the idler, on gray winter days along the wall of the harbor, along the beach, sea in the air, inhaling salt and iodine, empty gray surface for jotting down a text, or the leisure one finds in collecting shells, pieces found by chance, spit out by the sea, light breaking in the flat reflections in the sandpits and grooves, „blinking“, which the water running off at low tide leaves behind, yet another scallop, yet another sea trumpet. Or those shells that in the wake of 18th century expeditions acquired names that evoke faraway places: „carte géographique“, map, „écriture chinoise“, Chinese handwriting, „soleil levant“, rising sun, as is listed in the illustration section of Diderot and d’Alembert’s Encyclopédie.

A fundamental difference, to live at the sea or not, a distinctive characteristic, sedimented in language in antiquity, difference between the inhabitants of the coast, the inhabitants of the mainland and the inhabitants of the coast and the category of athalattotoi, those who did not have an inkling of the sea, who had never come into contact with it.[03]

Perception and the categorization of the world are informed by it, linguistic „fine tuning“ for a differentiated designation of water and wind, nowhere else is there talk of „cloud octopi“, „seppie di vento“, nautical experience projected into the sky. (The often reciprocal reflection of deep sea and celestial space, the constellation of the Poseidon, warm water currents as the „milky ways of the sea.“)

The gentlemen in the maritime old people’s home in Camogli, the cupboard closed not with knobs but with the ends of ropes knotted according to the rules, and the entire day one hears the bolletino nautico from the radio; where, however, does Signora Altomare live, the first female machinist to graduate from the Istituto Nautico in Naples. Having to do without the sea for a long time, dependent on news from faraway. Still even in the sixties in small towns, exhibited in trucks on market squares: the huge whales, brittle the embalming, the long beards encrusted with a yellowish goo. Before it ever saw the sea the child had for many years played „Sea Adventures“ under the kitchen table.

But not just the experience of nature but also the imagery that is formative of what will be seen: reports, stories, images and readings, novels and lexicons. Foreign words from books, „tidal shallows“, „tidal amplitude“, „Sargasso Sea“, „transit winds“, the red shark barriers at the end of the bay.

Seas of proximity, familiar to us before we reach them, the island of Ulysses and Scylla and Charybdis and the beach where Aeneas landed, and other seas, for instance, the gray Indian Ocean, faraway lures, adventures and pirates, discoveries and conquests of the world, treasure islands, sea battles (salt strewn on the deck according to the nautical glossary so that one wouldn’t slip in a puddle of blood while fighting), funerals at sea, the bodies sewed in sailcloth and a cannon ball, a weight at the head and at the feet, „to make them sink“ according to John Smith. Stabilizing ropes suspended on deck during a storm so that one was not washed away over board, navigare necesse, sinking ships, burning ships, sea-biscuit, salt meat, scurvy, mutiny, and in the depths the wrecks of sunken frigates, the promise of treasure, imponderables, mountains of magnets, huge octopuses, sunken islands. Pearl fishers, letting themselves fall over board with heavy stones, the rotting stench of piles of shells.

Stories read and adventures lived, in the sky and under water, in the future and in the past, Jules Verne’s journey to the center of the earth and twenty thousand leagues under the sea, which does not just face the problem of penetrating unknown depths (vegetation and fauna, copied from the acquariums that had become fashionable in the middle of the 19th century [04]) but also anticipated the invention of underwater photography:

„What a situation to be in!“ I exclaimed. „To overrun these deep regions where man has never trod! Look Captain, look at these magnificent rocks, these uninhabited grottoes, these lowest receptacles of the globe, where life is no longer possible! What unknown sights are here! Why should we be unable to preserve a remembrance of them?“

„Would you like to carry away more than the remembrance?“ said Captain Nemo.

„What do you mean by those words?“

„I mean to say that nothing is easier than to make a photographic view of the submarine region.“

I had not time to express my surprise at this new proposition, when, at Captain Nemo’s call, an objective was brought into the saloon. Through the widely-opened panel, the liquid mass was bright with electricity, which was distributed with such uniformity that not a shadow, not a gradation, was to be seen in our manufactured light. The Nautilus remained motionless, the force of its screw subdued by the inclination of its planes: the instrument was propped on the bottom of the oceanic site, and in a few seconds we had obtained a perfect negative. [05]

Another contemporary of Jules Vernes, found in a rare books shop in Colombo, drawings torn out of his book on the underwater world of Ceylon as it was still known at that time – the Austrian diplomat and scholar Eugen von Ransonnet-Villez did not content himself during an expedition with artifacts and dead animals as proof of the underwater wonder world. He also had a small diving bell built, under which he sat with dangling feet, holding a pencil and brush, „drawing“ the reality around him:

„I immediately opened the iron window cover which had been mounted to protect the glass and looked with a certain excitement into the wide water empire which lay before me for the first time, visible to my unobstructed gaze.“[06]

The sculptor reacts perceptively to floating conditions, the relation of body in space, the freedom of movement around all axes, the liberated field of vision. Attentive also to the behavior of the other bodies and non-bodies, like air bubbles rising to the surface, watching how they spread, assume different shapes and become torn at an unpredictable moment. Aleatoric explosion of forms, surprising booty of the camera („what informs the possibilities of sculpture beyond solid matter,“ he asks himself). For his attention is directed at the surroundings and the images to be captured from it, the segments, suddenly illluminated, suggesting a constellation of colors and forms which at times is able to become apprehended, with the deviations of the camera’s gaze – not immune to illusions just like in certain quarters one can sometimes note a „fictive red“ which never appears as such on the surface of the film.

„If you dive down to a certain depth of the sea you soon lose the light. You penetrate a twilight world, in which a dim red is the only remaining color. But then this, too, vanishes and the dark of night sets in,“

as Jules Michelet so nicely yet not entirely aptly describes it. [07] Michelet who has always described what he observed and imagined with indiscriminating precision:

„It is said that the lack of sunlight excludes the possibility of life and yet in the deepest areas the floor of the sea is covered with sea stars. The waters are inhabited by infusorians and microscopically small worms. Innumerous mollusks drag their shells. Bronze crustaceans, ray-formed actiniae, snowy porcelain snails, golden lampreys, undulated sea snails, everything lives and moves. The depths are replete with noctilucta which are intermittently drawn to the top of the water and surface like waving fire and scintillating garlands.“ [08]

The depth and the the conception of it which captures the onlooker – yet it is not always the greatest depth that promises the best view: „close to the surface“ not just in paradisiacal coral gardens but also in the entrances to harbors, on underwater heaps of garbage. It is here that Manfred Wakolbinger has made his booty with the most spectacular images. Spectacular not in the sense of a gigantomachy but in the fine-tuning to a microcosm which appears bizarre and strange, captivating or frightening.

The fascination exerted by these images is not just derived from the fact that we are dealing with messages from an otherwise not visible realm, seductive this partaking of something mysterious, about which there are otherwise only speculations. It also has to do with the gaze being liberated from conceptuality, in its contact with a world in which the non-distinctive, uncertain dominates, the ambiguity (stone or living being, plant or animal) and variability, polymorphism instead of something with defined contours. Structures, ensembles, more tableaus than portraits of easy-to-identify individual beings (only later to be ascertained that it has to do with a „pyrosome“, but this is irrelevant for the photograph) – to capture them, largely reduced to analogies, approximation only by way of comparisons: jewels, precious stones, insects, birds, exotic plants, „this sugar seaweed looks like jade!“ A world of metamorphoses, whose genesis in antiquity was only possible through the conjecture of the Gods („the lovely Nereids! The plumaged Graien! The sweet-sour Hesperids!“) as Ovid describes in reference to the emergence of corals where wicked nymphs played with the petrifying power of the head of Medusa lying on seeweed: „Even today coral retains this same nature, hardening at the touch of air: that which was aplant when under water becomes a rock when brought above the surface.“ [09] Moving in the realm of metamorphoses, of flowing transitions and transformations means to also subvert the definitions, as if it were to go back one step, once again in order to look as far as possible, unbiased, as if Linné had been invalidated and were to take up again the subtle and sensitive view of Michelet who sort of bends down to encounter these alien creatures at eye level, ascribing them „the ability to feel“ as he pictures it for the Medusa as „daughter of the sea“:

„Living in her submarine environment whose touch is endearing, she surrounds herself with a jacket of resistant epidermis like we earthly animals. She experiences everything in naked and immediate form.“ [10]

Given a different twist to the above, Jules Verne lets his Professor Aronnax dream:

„I dreamt – you cannot pick your dreams -, I dreamt that my existence was reduced to the vegetative state of a mollusk. It seemed to me that this grotto created the double shell of my house…“ [11]

The real tension, be it something animate or inanimate, shock when the alleged stone suddenly glides through under the body as a cuttlefish, even the fossil as Bachelard says, only „dormant in its form“, [12] and the fascination derived from diversity, uncertainty about which realm it belongs to or is it more than one realm, are there mermaids in the sea?, questionable taxonomies. Freely driftings plants, firmly rooted animals, chapeaux chinois mimicking the stone, a heart beat, touching it, feeling how the living creature gives signs of its existence from within, closing the edges, clinging with intensity.

Jules Verne describes the „animal plants“:

„Among the animal plants there were some lovely sea anemones, Phyctalis tecta, native to this part of the ocean, a small cylindrically shaped stem, adorned with vertical lines and small dots, crowned by a magnificent nest of tentacles. As for the mollusks, there were the species that I had already observed, tower shells, triangular mussles with regularly cruciated pattern, whose red dots really stood out conspicuously from the flesh-colored ground, bizarre sea butterflies, resembling petrified scorpions, transparent marine butterflies, paper boots, cuttlefish with an excellent taste and certain polyps that the ancient scholars included among the flying fish and that were mainly used as bait in catching cod.“ [13]

In Manfred Wakolbinger’s pictures the view of a world that has nothing anthropomorphic about it, openings, membranes, nets, like a fish trap, feelers, arms that fold in and out, eyes, unicellular creatures, left in their strangeness, alienation and peculiarity, no „human comparison“ pulled over them. Conventional order and assignment called into question. Creating room for a possible other. „He thinks in terms of animals as others do in concepts,“ Elias Canetti said, while also focussing this change of perspective in the animal counterpart: „What cannot be attained in animals: how they look at one,“ [14] and only surmises as to their relations among each other, convivences, unknown pact: anthropocentric perspectives called into question and a de-hierarchization staged in the picture. Late in the evening, walking home along the sea: shaking off light bundles in each step, the radiance leaping from the finger tips.

Marcel Broodthaers took an ironic look at the future in the Seventies. In his artist book „Magie. Art et poétique“ (1973) he develops a perspective of the guild under the heading „Being an Artist“:

„sculpting. drowning like the son of God. What fame! It is better to simulate. Accessories: Diving suit. Fish. Flowers.“

A child, running on the beach next to the water and drawing a line in the damp sand with a bamboo stick that it is pulling. What it draws is sometimes washed by the sea, erased by the waves. „That doesn’t matter, I’m doing it on purpose! That’s what so nice.“

01 Predrag Matvejević, Der Mediterran. Raum und Zeit, Zurich: 1993, p. 202

02 Sándor Ferenczi, „Versuch einer Genitaltheorie“ [1924], in: Schriften zur Psychoanalyse, ed. by Michael Balint, Frankfurt/M.: 1972, vol. II, pp. 317-400

03 Matvejević, op. cit., p. 210

04 Ursula Harter, „Am Grund des Meeres lebt die telegraphische Koralle. Der Traum ist das Aquarium der Nacht: wie im neunzehnten Jahrhundert Unterwasserparadiese zum Sinnbild unseres Innenlebens wurden,“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. 9. 2003

05 Jules Verne, Zwanzigtausend Meilen unter Meer [Twenty Thousand Leagues Under the Sea], Zurich: 1976, II, pp. 216-217 (French first edition: Vingt mille lieues sous les mers, Paris: 1870)

06 Baron Eugen von Ransonnet-Villez, Ceylon. Skizzen seiner Bewohner, seines Thier- und Pflanzenlebens und Untersuchungen des Meeresgrundes nahe der Küste, Braunschweig: 1868.

See also Die Entdeckung der Welt. Die Welt der Entdeckungen. Österreichische Forscher, Sammler, Abenteurer, ed. by Wilfried Seipel, Vienna: 2001; and there: Helmut Sattmann, Verena Stagl: „Die österreich-ungarischen Tiefsee-Expeditionen mit dem Schiff Pola“, pp. 155-156

07 Jules Michelet, Das Meer [The Sea], Frankfurt/New York: 1987 (French first edition: La mer, 1861)

08 Ibid., p. 88

09 Ovid, Metamorphoses IV, v. 750-751

10 Michelet, op. cit., p. 130

11 Verne, op. cit., p. 200

12 Gaston Bachelard, Poetik des Raumes [The Poetics of Space], Munich: 1975

13 Verne, op. cit., II, p. 329

14 Elias Canetti, Die Fliegenpein. Aufzeichnungen [Pain of Flies. Notes], Munich: 1992

[All translations from the German editions of the sources used.]

David Espinosa – von der Einfachheit des Wunderbaren

Sieben Zehntel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt – ein entmutigender Gedanke, der noch überwältigender wird, wenn man in Betracht zieht, was Wissenschaftler mutmaßen: dass die Erforschung der Seen und Flüsse, Ozeane und Meere gerade erst die Oberfläche unseres Planeten angekratzt hat.

Wir wissen so wenig und doch wissen wir bereits so viel. Das mag verwirrend klingen, aber vergessen wir nicht, dass jedes Jahr Hunderttausende von Tauchern ausgebildet werden, eben weil wir wissen, dass die Unterwasserwelt etwas absolut Besonderes ist.

Jeden Tag tauchen sie in diese exotischen Wunderreiche hinunter, auf den Fidschi-Inseln, Galapagos oder Bali. Sie suchen Inspiration – und finden sie auch zumeist. Sie sehen Buckelwale so groß wie Autobusse und winzige Skelettgarnelen, die auf leuchtend farbigen Fächerkorallen anmutig zu tanzen scheinen. Manchmal trauen wir unseren Augen kaum, wenn wir den anmutigen Mantas, die in der Meeresströmung vorbeiziehen, voll Ehrfurcht nachstarren, oder angesichts der Stärke des (irrtümlich) in Verruf geratenen großen Weißen Hais oder der Schönheit von etwas so Gewöhnlichem wie dem Anglerfisch.

Für sein Buch „Bottomtime“ hat Manfred Wakolbinger Bilder von einigen der exotischsten Orte der Welt ausgewählt – Orten mit fremd klingenden Namen wie Kimbe Bay (Papua-Neuguinea), Alor (Indonesien), Ari Atoll (Malediven) und Chuuk (Mikronesien). An diesen abgelegenen Plätzen suchen Taucher die einzigartigen Meereslandschaften, die Begegnungen mit Großfischen und seltsamen Lebewesen – kurz gesagt, sie suchen Inspiration.

Einer der interessantesten Orte ist eine kleine Inselgruppe östlich von Bali (Indonesien), eine urzeitliche Gegend, mit starken Strömungen und Dinosauriern. Als Ziel für Taucher ist Komodo durchaus bekannt, Aber es gibt Zeiten, in denen die Isolierung beinahe unvorstellbar erscheint. Der bekannteste Taucher Indonesiens, der unvergleichliche Larry Smith, hat immer wieder gesagt: „(Komodo) ist nicht das Ende der Welt, aber ganz gewiss kann man es von dort aus sehen.“

Zum ersten Mal traf ich Manfred und seine Frau Anna 1997, als ich auf einem kleinen Phinisi-Tauchschiff in Komodo arbeitete. Sie waren ruhige, unaufdringliche Gäste, die wenig Aufhebens von ihrem Elan machten, hinter dem sich ihre Wanderlust verbarg. Sie hatten das geschäftige, historische Wien hinter sich gelassen, auf der Suche nach dem Abenteuer und mit der Gewissheit, dass sie es an diesem vielversprechendsten aller Orte, in der prähistorischen Landschaft, finden würden. Dies mag manchen merkwürdig erscheinen, aber so stark wirkt die Anziehungskraft des Tauchens.

Flaubert schrieb einmal: „Reisen macht bescheiden, man erkennt, was für einen winzigen Platz man in der Welt einnimmt.“ Er hätte statt „Reisen“ auch „Tauchen“ schreiben können. Denn es gibt in dieser anderen Welt aktive Unterwasservulkane, ausgedehnte Salzseen mehrere Kilometer tief unter der Oberfläche des Pazifischen Ozeans und gewaltige Felszüge, die die Rockies in Colorado zwergenhaft erscheinen lassen. Diese Orte würden Nicht-Tauchern außerirdisch vorkommen, aber einen großen Teil seiner Inspiration findet der Taucher gerade in der Suche nach Plätzen wie diesen.

1999 führten Larry Smith und ich eine Gruppe von Tauchern in Alor in Ost-Indonesien. Obgleich noch abgelegener als Komodo, gab es in dieser Gegend bereits Dutzende von bekannten Tauchstellen. Unglücklicherweise waren einige der besten Tauchplätze, gerade weil sie so abgelegen sind, bereits leer gefischt.

Eine Stelle hatte sich als besonders ergiebig für die Hochseefischer erwiesen, Kal’s Dream, eine Felsnadel, die, zwei Kilometer vom Ufer entfernt, aus stygischem Dunkel aufragt. Jahrelang hatte ich immer wieder gestaunt über die unzähligen Fische, die in Scharen zu diesem kleinen Felsen, der bis wenige Meter an den Meeresspiegel heranreicht, kamen.

Es war ein ganz besonderes Gebiet für Taucher, mit oft überaus starken Strömungen, was bedeutete, dass „der Traum“, wie dieser Ort genannt wird, nur bei Gezeitenwechsel betaucht werden konnte. Aber trotz der möglichen Gefahr tauchte man im „Traum“, denn es gab immer riesige Schwärme umherschießender Barracudas, Makrelen, die so fett waren, dass sie einem die Sicht nahmen, VW-Bus-große Barsche und Haie – viele, viele Haie.

Wie es leider häufig bei so entlegenen Orten der Fall ist, wurde Kal’s Dream das Ziel und das Opfer von Schleppnetzfischern aus Taiwan und anderswoher. Die Bewohner der umliegenden Dörfer konnten nur hilflos zusehen, wie diese hochgerüsteten Schiffe vor Alor zuerst den großen Thunfisch, dann die Makrelen und am Ende die Haie in wenigen Jahren methodisch ausrotteten. Auf dieser Reise wurde Kal’s Dream ein Reinfall …

Aber Smith, dem der Ruf vorausgeht, eine Nase für Abenteuer zu haben, gab nicht auf und ergriff jede Gelegenheit, um neue „Träume“ zu entdecken. Und mit Hilfe einer Gruppe von Tauchern – unter ihnen Manfred und Anna – fand er ihn am scheinbar ungeeignetsten Ort.

An einem Nachmittag fuhr das Boot in den langen Naturhafen von West Alor hinein und ankerte am Kopf einer kleinen aufgegebenen Tankpier. Smiths scharfes Auge hatte schwarzen Sand entdeckt, und das brachte ihn auf die Spur. Er war auf der Suche nach Critters, ein Kosename für kleine Fische, die so aussehen, wie man es sich nicht träumen lassen würde. Und er wusste, dass Critters schwarzen Sand mögen. So ließ er sich mit der kleinen Gruppe abenteuerlustiger Taucher in das Wasser hinunter, das an dieser Stelle nicht tiefer als ein paar Meter war.

Gegen alle Erwartung fanden wir uns in einem Tauchernirwana wieder. Wo wir uns auch hinwandten, wir sahen Seltsames, Bizarres, wahrhaft Unglaubliches: Oktopusse, die Form, Aussehen und Verhalten anderer Meeresorganismen nachahmen (zu Recht tragen sie den Namen Mimic Octopus), die seltsam aussehenden Pegasus Seemotten, den exotisch bunten Anglerfisch, sonderbare Fische, die sich in den Sand eingruben, Tintenfische, die blau und purpurn, gelb und golden glühten, Seepferdchen, die sich in der Strömung wiegten, und Geisterpfeifenfische, die wie Gras, Wurzeln oder tote Blätter, zwischen denen sie lebten, aussahen. Die Harlekingarnelen, die auch in diesem Buch zu sehen sind, wurden bei demselben Tauchgang gefunden. Der Ort aber, wo wir all dies gesehen haben, erlangte in der Taucherwelt einen legendären Ruf.

Der Ozean bietet denen, die seine übernatürliche Schönheit wahrnehmen und deuten können, unendlich viele Möglichkeiten. Es gibt Myriaden verschiedener Farben, Kontraste, Formen und Tiefen. Aber manchmal bedarf es eines Künstlers, die Schönheit auch in den einfachsten Dingen sichtbar zu machen.

Ich weiß immer noch nicht genau, welche von Manfreds Leidenschaften die andere angeregt hat: war es seine Liebe zur Bildhauerei, die seine Unterwasserfotografie inspiriert hat, oder war es umgekehrt? Wie dem auch sei, Manfred hat das Auge eines Künstlers, der Ozean ist eine Leinwand ohne Anfang und Ende, und wir haben das Privileg verfolgen zu dürfen, wie er das, was er sieht, umsetzt.

Als Redakteur eines Tauchermagazins sehe ich jede Woche Hunderte von wundervollen Fotografien auf meinem Schreibtisch. Manfred Wakolbinger aber ist ein Unterwasserfotograf, der jeden – Taucher wie Nicht-Taucher gleichermaßen – um so viel näher an die Geheimnisse der Tiefe heranbringt. Und er tut es mit einem unfehlbaren Gespür, denn er ist ein Künstler, der einen unvergleichlichen Sinn für alles Lebendige hat. Er sieht die Fische und die Korallen und die großen Meeressäuger mit einem anderen Auge als wir und er vermittelt uns in seinen Bildern seine „Vision“.

David Espinosa – Seven–Tenths Inspiration, Three–Tenths Fascination

Seven-tenths of the Earth’s surface is covered in water. It’s a hum-bling thought, even more staggering when you consider scientists estimate we have only scratched the surface of exploring our planet’s lakes and rivers, oceans and seas.

But while it’s true we know so little, we already know so much. I know this may sound confusing, but bear in mind that hundreds of thousands of scuba divers are certified each year because we do know the underwater world is something entirely special.

Each and every day scuba divers plunge into this remarkable realm in exotic sites like Fiji, the Galapagos or Bali, in search of one thing: inspiration. And they find it, more often than not, eyewitness to magnificent creatures as large as the bus-sized humpback whale, to the tiny skeleton shrimp, which dance artfully on brightly coloured sea fans. Sometimes it’s difficult to believe our own eyes as we gaze in awe at graceful manta rays, which glide along in the ocean currents; the power of the (wrongly) maligned great white shark; and the sublime beauty of something as ‚ordinary‘ as the reef angelfish.

Manfred has chosen pictures from some of the most exotic destinations in the world – places with foreign-sounding names like Kimbe Bay (Papua New Guinea) Alor (Indonesia), Ari Atoll (Maldives) and Chuuk (Micronesia) For it is in these remote sites where divers search for unique seascapes, big fish encounters, strange creatures – in short, they are looking for inspiration.

One of the most recognisable sites is a small group of islands to the east of Bali, Indonesia, a primeval land where currents swirl and dinosaurs walk. As a dive destination Komodo is well known, but there are times when the isolation seems almost unimaginable. Indonesia’s most renowned dive guide, the incomparable Larry Smith, often remarks that „(Komodo) is not the edge of the earth, but you can sure see it from here.“

I first met Manfred and his wife, Anna, in 1997 while working on a small phinisi live-aboard in Komodo. The two were quiet, unprepossessing guests, but they carried themselves with an understated élan that belied their wanderlust. They had left the bustling streets of historic Vienna behind in search of adventure, knowing they would surely find it in the likeliest of places – this prehistoric region. Which may seem strange, to some, but such is the draw of scuba diving.

The writer Flaubert once wrote, „Travelling makes one modest – you see what a tiny place you occupy in the world.“ But he could’ve just as easily substituted the words ’scuba diving‘ for ‚travelling‘. For there are, in this world, active underwater volcanoes, extensive saline lakes several kilometres below the surface of the vast Pacific Ocean, and colossal mountain ranges that would dwarf the Colorado Rockies. These places would seem alien to non-divers, but part of a diver’s inspiration stems from the quest to discover spots just like these.

In 1999 Smith and I led a group of divers in Alor, eastern Indonesia. Even more remote than Komodo, there were nevertheless already dozens of established sites in the area; unfortunately, some of the best-known dives were already fished out precisely because of the area’s remoteness.

One site in particular, Kal’s Dream, a pinnacle that rises up from the Stygian darkness two kilometres offshore, had been a boon for big fish divers. Over the years I had always marvelled at the sheer numbers of fish that would flock to this small peak that rose to within a few metres of the surface.

It was a special dive, with often exceedingly dangerous currents, meaning „the Dream“, as it was nicknamed, could truly only be dived during slack tides. And yet despite the potential dangers „the Dream“ was dived, for there were always immense schools of swirling barracuda, jacks so thick divers sometimes complained of a lack of visibility, VW bus-sized groupers and sharks – lots and lots of sharks.

Unfortunately, as is often the case with locations that are so remote, Kal’s Dream fell prey to long-line fishermen from Taiwan and parts unknown. Local villagers could do nothing but watch, helplessly, as these advanced fishing boats came through Alor and methodically fished the big tuna, then the jacks and finally the sharks to extinction in just a few years. Kal’s Dream, on this trip, was a bust…

But Smith, whose claim to fame is a nose for adventure, wasn’t deterred, and he took every opportunity he could to search for new ‚dreams‘. And with the help of a group of divers – Manfred and Anna included – he found it in what would appear to be the most unlikely of sources.

One afternoon the boat motored into the long natural harbour in west Alor, and dropped anchor at the foot of a small, derelict oil pier. Smith’s keen eye had spotted black sand there, and his senses kicked in. He was on the lookout for „critters“, an affectionate expression for the small fish that look like nothing you or I could ever dream up; and he knew critters liked black sand. With the small group of adventure-seeking divers he dropped in, to water no deeper than a few metres.

Though no one would have expected it, we had stumbled upon a diver’s Nirvana. Everywhere we turned we saw the strange, the bizarre, and the downright unbelievable: Octopus which would mimic the shape, appearance and behaviour of other marine life (the appropriately named mimic octopus); the outlandish-looking Pegasus sea moths, exotically coloured frogfish; odd shaped fish that burrowed under the sand; cuttlefish that glowed blue and purple and yellow and gold; seahorses that swayed in the current and pipefish that looked like the grass, the roots or the dead leaves they were living among. The harlequin shrimps seen in this book were found on that very same dive, a site which, to nobody’s surprise, went on to garner legendary status among the diving world.

The ocean has limitless possibilities for those who can appreciate and interpret its transcendent beauty: there are myriad colours, contrasts, shapes and depths. sometimes it takes an artist to bring out the beauty of even the simplest of things.

I’m still not quite certain which of Manfred’s passions inspired which: did his love for sculpture lead to the beautiful underwater photography, or vice versa? Regardless, Manfred’s is an eye for art, the ocean an unlimited canvas – we are privileged to witness as he interprets what he sees.

As the editor for a scuba-diving magazine I see hundreds of wonderful photos cross my desk each week. But Manfred Wakolbinger is an underwater photographer who brings everyone – divers and non-divers alike – that much closer to the mysteries of the deep. And he does so with an unmistakable flair, for he is an artist with an incomparable eye for life. Manfred sees the fish and the corals and the big marine mammals with a different eye than the rest of us, and he shares this „vision“ in his spectacular images.