Beton Skulpturen

4.1.1

In der weißen Galerie bewegt sich der Besucher, nähert sich, bleibt stehen, zieht sich zurück und schreitet in Kreisen. Die Formen der Exponate ermutigen zur körperlichen Begegnung, aber man wird wieder entmutigt durch die Materialien – diese blanken, soliden Betonkörper – und andererseits die Teile aus Blech, die von ihnen umgeben werden. Der Übergang von Beton zu Kupfer, kalt zu warm, bezeichnet den Wechsel von Körpersprache zu purer optischer Sinnlichkeit. Da diese zweiteilige Struktur mit der Beziehung zwischen Ganzheit und Fragment spielt, werden Spannungen zwischen dem, was schnelle erfasst werden kann, und er Bedeutung von wortwörtlichen Metaphern der Berührung festgemacht. Und da die orgiebige Kombination von Abwesung und Gestatten den Besucher zum Ausgangspunkt zurückwirft, wird die Frage zu einer der geistigen Auffassung, der Fähigkeit des Sehens allein. Die physische Auseinandersetzung mit der Skulptur verändert sich zu einer Allegorie der Deutung…

Sputnik

IslBG

In der Nacht vom 4. Oktober 1957, lautete die Orson Welles‘-reife Radiomeldung, werde der Sputnik Österreich überfliegen. Die Bevölkerung von Mitterkirchen, einer kleinen Ortschaft in Oberösterreich, war auf den Beinen und suchte den Himmel nach dem Erdtrabanten ab. Wirklich gesehen hat ihn keiner, für den damals fünfjährigen Manfred Wakolbinger aber war die kollektive Faszination am technischen Mysterium eine Initiation. Heute noch meint er, daß sich bereits damals im Ansatz jene Dispositive formierten, die später die Trabanten seiner Kunst sein würden: die Gleichzeitigkeit von Innen und Außen, die Dehnbarkeiten und Begrenzungen der menschlichen Einflußmöglichkeiten, die unstabile Balance von Autonomie und Abhängigkeiten, vor allem aber der Dialog zwischen Vertrautem und dem Unbekannten. Nicht von ungefähr also läuft Wakolbingers Personale im 20er Haus unter dem Titel Sputnik: als Programm, als Symbol und als Mythos…

Bottomtime

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Ist das ein Blick auf den Grund, aus dem Manfred Wakolbinger schöpft? Oder vielleicht auch eine Erinnerung daran?

Tatsächlich finden sich in seinem bisherigen Werk zahllose Motive, die vor dem Hintergrund dieser Unterwasserfotografien als Umsetzung subaquatischer Eindrücke und Erfahrungen neu hinterfragt und interpretiert werden können. Nicht nur das in unterschiedlichsten Variationen immer wieder auftauchende Thema des Behältnisses, der Traum vom unbegrenzten Volumen, von der Durchdringung von Form und Inhalt…

Interview (2012)

manfred_wakolbinger

AS: Da die aktuelle, im Rahmen von ZEIT KUNST NIEDERÖSTERREICH stattfindende Ausstellung Einblick in die letzten drei Jahrzehnte deines Schaffens gibt, würde mich zunächst interessieren, wie du eigentlich zur Kunst gekommen bist. Gab es da einen bestimmten auslösenden Moment in deinem Leben?

MW: Da müssen wir weiter zurückgehen, bis in meine Kindheit, und zwar ins Jahr 1957, als am 4. Oktober der Sputnik, der erste Erdsatellit russischer Bauart, über Österreich geflogen ist. Ich war damals in Mitterkirchen, meinem Geburtsort in Oberösterreich, mit dabei, als alle hinaus gerannt sind und in den Himmel gestarrt haben, um den Sputnik mit eigenen Augen zu sehen…

Peter Sloterdijk

waiting-looking-watching force Kopie

Meine Damen und Herren, würden wir uns am Ganges befinden, dann wäre heute meine Aufgabe wahrscheinlich leichter zu lösen. Ich bräuchte dann nicht umständlich einen philosophischen Existenzbegriff zu erläutern, ich müsste mich nicht um eine phänomenologische Beschreibung unseres In-der-Welt-Seins bemühen, ich hätte nicht zu erläutern, wie sich das lateinische Wort Existenz in dem griechischen Wort Ekstase spiegelt, es wären auch nicht viele Bemerkungen zu machen über die Fundierung des Ekstatischen im Alltäglichen und des Alltäglichen im Ekstatischen, und außerdem müsste ich nicht immer so unnatürlich deutlich sprechen, damit die Herren Aufnahmeleiter vom indischen Fernsehen zufrieden sind…

Underwater

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Wenn David Cameron seine Erfahrungen aus den Tauchgängen zum Wrack der TITANIC nutzt, um in AVATAR die fantastischen Bilder aus einer anderen Welt herzustellen, dann setzt er dabei einen Kunstgriff ein, der gebräuchlich ist: Er transformiert Bilder und Wesen aus der Unterwasserwelt durch das Auge in unser Inneres, um eine ferne intergalaktische Welt zu erzeugen. Die Sehnsucht nach dem Wissen um den so weit entfernten Raum wird mit Bildern von Landschaften und Geschöpfen aus der durch die Wasseroberfläche von uns getrennten Welt zugleich gestillt und angeregt…

Up from the Skies

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Das Universalistische und Spirituelle ist der Kremser Dominikanerkirche bereits 1786 von Josef II ausgetrieben worden : seit ihrer Säkularisierung haben sich in der gotischen Halle Landtage versammelt, sie war einmal als Speicher und Fabrik, dann als Theater und als Kino im Einsatz. Die neu gegründete Landesgalerie für zeitgenössische Kunst verantwortet nun in den spektakulären Räumen ein vielversprechendes Ausstellungsprogramm.
Mit Manfred Wakolbinger tritt ein alter Hase im Kunstbetrieb am Körnermarkt an. Als Meister seines Fachs hat er die nötige Leidenschaft und künstlerische Unerschrockenheit, um die architektonischen Herausforderungen des extrem schmalen und hohen Kirchenschiffs anzunehmen. Darüberhinaus lässt die komplette Leere den Innenraum als undefiniertes und unbegrenztes Vakuum erscheinen…